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Liederabende Wien
Das Presse-Online Archiv
Erscheinungsdatum: 06.07.1999 Ressort: Kultur/Medien

Triumph für einen Könner

Nicolai Gedda erwies seinen Wiener Freunden noch einmal die Ehre:
Beim "Klangbogen" sang der Tenor im Theater an der Wien und 
erntete Jubelstürme.

Er ist und bleibt eine lebende Legende. Nicolai Gedda zählt wohl vor allem deshalb zu den
herausragenden Erscheinungen des internationalen Opernbusiness, weil er seine Stimme
beherrscht wie kaum ein Kollege. So souverän, dermaßen technisch sicher wie er sang,
singt nicht bald ein Vertreter der vokalen Zunft. 
Natürlich applaudiert Wien schon sehr lautstark, wenn ein verdienter Künstler wie Gedda auf
dem Podium erscheint. Zu Recht aber steigerte sich der Jubel nach dem Auftritt mit "Wo die
wilde Rose erblüht" und - vor allem - nach "Sei mir gegrüßt, du holdes Venezia" zur
Orkanstärke. Denn Gedda ist nach wie vor ein unfehlbarer Stilist, versteht sich noch immer
auf seine berühmten Mischtöne, auf zauberhafte Pianissimi und - als willkommener
Gegenpol - kraftvolle Attacke. 
Juliane Banse als jugendliche Partnerin konnte sich mit sympathischem Totaleinsatz neben
dem großen alten Herrn behaupten. Die Sopranistin war ihm animierte Duettpartnerin und
punktete dank ihres beachtlichen Ausdruckspotentials auch in ihren Soli. 
Die Camerata Academica begleitete unter der Leitung ihres Konzertmeisters Alexander
Janiczek mit großer Spiellaune und bestenfalls dort, wo ein Dirigent und nicht ein großartiger
Stehgeiger vonnöten wäre, ein klein wenig unflexibel. Unter anderem mit der "Bauernpolka"
bewiesen die Musikanten, wieviel Animo sie einbringen können. So schloß der Jubel zuletzt
wirklich alle Beteiligten aus vollem Herzen ein.


Das Presse-Online Archiv
Erscheinungsdatum: 27.05.2000 Ressort: Kultur/Medien

Alterslos keusches Timbre

Nicolai Gedda errang bei seinem Liederabend im 
Wiener Musikverein einen triumphalen Erfolg.

VON WALTER WEIDRINGER

Wer gekommen war, einen großen Alten doch noch einmal zu hören und ihm höflichen, mit
leichtem Bedauern gewürzten Tribut zu zollen, wurde eines Besseren belehrt. Denn Nicolai
Gedda, bald 75 Jahre alt, sprengte die Grenzen eines bloßen "Alterswunders".
Gewiß hört man auch bei ihm die eine oder andere natürliche Abnützungserscheinung: Die
untere Mittellage ist intonationsmäßig schon anfällig, nicht jedes Fortissimo gelingt gleich
rund. Nur bewegen sich diese Abstriche in einem Rahmen, um den ihn manch wesentlich
jüngerer Kollege beneiden dürfte. Auf die (nicht überbeanspruchte) Höhe ist nämlich nach
wie vor Verlaß, die Voix mixte, jene Mischung aus Kopf- und Brustregister, seit jeher
Geddas Trumpf, liefert zaglos ätherischen Effekt - und vor allem: die stets noble Phrasierung
kennt keinerlei stilistische Ausrutscher. Sein nach wie vor unverkennbar "keusches" Timbre
hatte ja nie mit auftrumpfender Virilität geprunkt - vielleicht wirkt es gerade deshalb so
alterslos. Aber man kam auch ins Grübeln, welche Seltenheit es heutzutage darstellt, daß
Sänger, Tenöre zumal, mit solch souveräner Technik über ihr Material gebieten können. Mit
welchem Programm dieses Phänomen hörbar gemacht wurde, war letztlich zweitrangig:
Klug gewählt und knapp gefaßt, präsentierte es die stimmlichen Fähigkeiten des Tenors in
bestmöglichem Licht, umspielte mit Henri Duparc, Grieg, Tschaikowsky und Rachmaninow
Liebessehnen oder Empfindsamkeit, nicht ohne sich dabei in einem gerüttelt Maß an
Sentimentalität zu suhlen - und wurde von den Interpreten darin doch ernst genommen.
David Lutz bot dabei am Klavier Gedda die nötige Sicherheit, überließ ihm aber bescheiden
das Rampenlicht.
Das Publikum im Brahmssaal feierte Gedda schon nach jedem Programmblock ausgiebig
und erjubelte sich vier Zugaben.

Brahms-Saal: N. Gedda, D. Lutz

Mit jeder Menge Kraft

Von Herbert Müller

Nicolai Gedda: Denkmal tenoralen Kunstgesanges, Opernliebling von seiner Heimatstadt 
Stockholm über die Mailänder Scala bis zur New Yorker "Met", erst dieser Tage auch in 
Wien für seine Verdienste ausgezeichnet, setzte in seinem Liederabend gewiss viele seiner 
Freunde in Erstaunen, die nicht wissen, wie alt er ist, die "Wissenden" aber erst recht. 
Gedda sang alles auswendig. Duparc machte den Beginn ("L'Invitation au voyage") und 
zeigte nicht nur die unverwelkliche Pianokultur des Sängers, sondern überhaupt die 
Flexibilität in der Höhe und die Kraft in der Attacke - diese übrigens verschwenderisch bis 
zum Schluss! Vollends sieghaft wurde er mit Liedern von Grieg, nach denen ("Ein Traum") 
schon die Jubelrufe aufbrandeten. 
Nach Französisch und Schwedisch kam das Russische dran, es waren Lieder von 
Tschaikowski und Rachmaninow. Schon nach der "Serenade des Don Juan" begann die 
Begeisterung im Saal über zu kochen, und mit dem jüngeren Russen fand der Künstler
noch einmal die Möglichkeit zu einer Steigerung seiner Ausdrucksintensität und Kraft. 
David Lutz am Flügel war nicht nur ein technisch perfekter Pianist, sondern ein 
wertvoller Mitgestalter. 

Erschienen am: 29.05.2000



Montag, 2.Juli 2001, 19.30 Uhr

Liederabend

Nicolai Gedda, Tenor
David Lutz, Klavier

Große Opernkomponisten in Romanze und Lied

Vincenzo Bellini
Vanne, o rosa fortunata (Geh, glückliche Rose)
Bella Nice, che d'amore (Schöne Nice, die der Liebe)

Gaetano Donizetti
Le Crépuscule (Die Dämmerung)
Una furtiva lagrima (Romanze aus der Oper L'Elisir d'Amore)

Charles Gounod
Au rossignol (An die Nachtigall)
Envoi de fleurs (Blumenbotschaft)
Où voulez-vous aller (Wohin wollt Ihr fahren?)

Georges Bizet
La chanson du Fou (Lied des Narren)
Ouvre ton coeur (Öffne dein Herz)

PAUSE

Richard Wagner
Les deux Grenadiers (Die beiden Grenadiere)

Gioachino Rossini
La Lontananza (Aus der Ferne)
La Chanson du Bébé (Das Baby singt)

Giuseppe Verdi
Ad una stella (An einen Stern)
Lo Spazzacamino (Der Rauchfangkehrer)

Erste Zugabe
Zweite Zugabe
 


Das Presse-Online Archiv 
Erscheinungsdatum: 04.07.2001 Ressort: Kultur/Medien

Heimliche Träne und lauter Jubel

Nicolai Gedda, ewigjunger Spitzentechniker des Gesangswesens, 
gab in der Wiener Staatsoper noch einmal eine 
Lehrstunde artifizieller Vokalkunst. 

Er war und bleibt ein Phänomen. An kunstvoller Beherrschung seiner Stimmbänder kam
Nicolai Gedda kaum je ein Zeitgenosse gleich. Und noch heute, um die Mitte seiner
Siebziger, gestaltet der Tenor mit ungebrochener Meisterschaft Phrasierungskunststücke,
die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen.
Ein Abend mit Liedern und Romanzen großer Opernkomponisten war avisiert. David Lutz als
kompetenter Klavierpartner (an einem offenbar nicht ganz so kompetent gestimmten Flügel)
begleitete Gedda durch ein Programm, das von Bellini über Donizetti, Gounod, Wagner (die
französischsprachigen "beiden Grenadiere") wieder zur Italianità Rossinis und Verdis
zurückführte. Rechnet man die Glinka-Romanze aus dem Zugabenteil hinzu, dann war
neben Italien und Frankreich auch Rußland vertreten, womit ein schöner Teil von Geddas
legendärem Stilempfinden abgedeckt war.

Souveräner Stimmartist

Nach wie vor wechselt dieser Tenor mühelos von der Noblesse einer Gounod-Romanze zum
Singspielton Rossinis. Wobei er mit einer Einlage wie dem "Babylied" auch
kabarettistisches Talent bewies. Vor allem jedoch fesselt die Leichtigkeit, mit der er
scheinbar mühelos auch weitverzweigte Koloraturen und kompliziert gedrechselte Phrasen
modelliert. Bei Atem- und Modulationstechnik bis hin zur vielgepriesenen Mixtur der Register
reicht nach wie vor keiner an Gedda heran. Wer ihn so singen hört, weiß, warum diese
Karriere solange ungebrochen verlaufen konnte.
Dieser Sänger kannte seine Grenzen und hat innerhalb dieser eine Fülle vokaler
Möglichkeiten ausgelotet, die staunen machen. Daß er nach wie vor über dermaßen reiche
Gaben verfügt, sorgte für Jubelstimmung. Daß er gleich im ersten Teil des Konzerts mit
"Una furtiva làgrima" aus dem "Liebestrank" an einen seiner größten Wiener Erfolge
erinnerte und bewies, wie perfekt er diese Arie bis hin zum gehauchten Schluß immer noch
singen kann, brachte ihm die ersten Ovationen. Der Stimmartist ist junggeblieben, und er
sang, notabene, vor dem alten Eisernen Vorhang, von dem man leider nur zwei Tage im Juli
sehen darf, daß er doch am besten zur Boltenstern-Architektur des Zuschauerraums von
1955 paßt.

Staatsoper: Liederabend Nicolai Gedda

Eine Lehrstunde, für junge Sänger empfohlen

Von Brigitte Suchan

Wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag hat der Tenor Nicolai Gedda in der Wiener Staatsoper 
am Montagabend einen Liederabend gegeben. Auf der Bühne stand ein freundlicher älterer 
Herr, der mit warmem Applaus empfangen wurde und man dachte schon, dass es einer jener 
nostalgischen Abende werden würde, an dem vor allem die vergangenen Leistungen eines 
Publikumslieblings gewürdigt werden. Doch dem war ganz und gar nicht so. Gedda wählte 
Romanzen und Lieder großer Opernkomponisten, die es ihm ermöglichten seine nahezu 
unerreichte Kunst der Phrasierung vorzuführen und mit - noch immer - strahlenden Höhen zu 
brillieren. David Lutz begleitete den Tenor einfühlsam am Klavier. Überhaupt verdient die 
unerhörte Klugheit wie Gedda mit seinen Kräften haushaltet und die frappante Technik, die ihn 
selbst schwierigste Phrasen noch perfekt meistern lässt, uneingeschränkte Bewunderung. 
Zu den Höhepunkten dieses Abends, den zu hören man allen jungen Sängern als Lehrstunde 
empfehlen hätte können, zählten für mich die Lieder von Charles Gounod und Georges Bizet, 
die Gedda mit größtmöglichem Einfühlungsvermögen interpretierte. 
Die Arie "Una furtiva lagrima" aus dem "Liebestrank" hat man an der Wiener Staatsoper schon 
lange nicht mehr so gepflegt gehört.
Nach drei Zugaben, darunter auch Ruggiero Leoncavallos "Matinata", das wohl zum 
Standardprogramm jeden Tenors gehört, huldigte das Wiener Publikum Gedda mit 
Standing Ovations - zu Recht. 

Erschienen am: 04.07.2001